Was gibt's Neues?

Gesundheitspolitische Vorgaben und finanzielle Limitierungen sorgen dafür, dass Magenspiegelungen nur in einem begrenzten Umfang angeboten werden können", erklärt Dr. Dagmar Mainz, die Sprecherin der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. "Bei einer hohen Nachfrage führt dies systembedingt zu Wartezeiten, die nicht der Arzt zu verantworten hat."

Rund 23.250 Menschen werden im Jahr 2020 in Deutschland an Darmkrebs versterben, so die jüngste Prognose des Robert Koch-Instituts (RKI). Das sind zu viele, aber immerhin rund 1.700 weniger als in 2015. Das erfreut, insofern es den Erfolg des Darmkrebs-Screening-Programms widerspiegelt. Auf der anderen Seite frustriert es, weil Darmkrebs in sehr viel mehr Fällen verhindert werden könnte.

Der Gesetzgeber hat die Krankenkassen verpflichtet, ihre Mitglieder zwischen 50 und 65 Jahren ab 1. Juli 2019 alle fünf Jahre schriftlich über die Darmkrebsvorsorge zu informieren und sie zur Untersuchung einzuladen. Der Berufsverband der niedergelassenen Gastroenterologen hat die Magen-Darm-Ärzte befragt, ob diese Neuerung in der Praxis angekommen ist.

Nahezu zeitgleich mit der Aussetzung der Dokumentationspflicht für das Darmkrebs-Screening-Programm ist auf Drängen der gesetzlichen Krankenkassen die Vergütung für die Früherkennungskoloskopie um rund neun Prozent abgesenkt worden. "Diese besorgniserregende Entwicklung torpediert den erfolgreichen Kampf gegen den Darmkrebs in Deutschland", erklärt Dr. Albert Beyer vom Berufsverband der niedergelassenen Gastroenterologen (bng).

Die Verpflichtung, die im Rahmen des Krebsfrüherkennungs-Register-Gesetzes (KFRG) neu organisierten Vorsorgemaßnahmen zu dokumentieren, wird vorläufig ausgesetzt. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 05.12.2019 beschlossen. Der Grund: Die technischen Voraussetzungen zur Dokumentation können nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt werden. Betroffen ist insbesondere das laufende Programm zur Früherkennung von Darmkrebs, das jetzt bis auf Weiteres nicht evaluiert werden kann.

Mit Einführung des Einladungsverfahrens zur Darmkrebs-Vorsorge entsteht ein erhöhter Informationsbedarf, den Patienten bei ihren Hausärzten einfordern werden. Aufgrund der Arbeitsbelastung und -verdichtung bleibt aber nicht immer Zeit für ausführliche Präventionsgespräche. Eine neue Fortbildung für Medizinische Fachangestellte soll hier eine Entlastung ermöglichen.

Die erste Darmspiegelung zur Vorsorge gegen Darmkrebs wird Frauen ab 55 Jahren und Männern ab 50 Jahren angeboten. Bei unauffälligem Ergebnis und ohne ein familiäres oder genetisches Risiko erfolgt die nächste Kontroll-Untersuchung erst nach zehn Jahren. Jetzt steht fest: Der zeitliche Abstand ist angemessen, dann ist eine weitere Darmspiegelung aber unbedingt angeraten.

Die Leber ist unser zentrales Stoffwechselorgan. Sie ist extrem stark gefordert und zugleich sehr genügsam. Wenn es ihr schlecht geht, lässt sie es uns kaum merken - bis es fast zu spät ist. Aktuellen Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwa fünf Millionen Menschen von einer chronischen Lebererkrankungen betroffen. Viele wissen nichts davon.

Darmkrebs, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, chronische Leberentzündungen und Enddarmerkrankungen gehören zu den Krankheiten des Verdauungssystems, die in der Praxis eines niedergelassenen Magen-Darm-Arztes behandelt werden. Sein Spezialgebiet ist die Gastroenterologie, die in der ambulanten Versorgung zu Recht einen hohen Stellenwert hat.

"Wir haben immer konkretere Hinweise, dass unsere Ernährung Einfluss auf die Zusammensetzung der Bakterienpopulation in unserem Verdauungssystem hat", sagt Dr. Ulrich Tappe vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. "Und wir wissen, dass manche dieser Bakterien unser gesundheitliches Wohlbefinden fördern, während andere es empfindlich stören können. Das berechtigt zu Überlegungen, ob ein individuell zusammen gestelltes Kochbuch als unterstützende Behandlungsstrategie Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen helfen kann, mit ihren Krankheitsschüben besser zu Recht zu kommen.