Was gibt's Neues?

Professor Dr. Oliver G. Opitz, Leiter der Koordinierungsstelle Telemedizin BW (KTBW) der Universitätsmedizin Mannheim/Universität Heidelberg und Professor Dr. Jürgen F. Riemann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung LebensBlicke - Früherkennung Darmkrebs, rufen gemeinsam zum Handeln auf:

Das statistische Risiko im Laufe des Lebens an Darmkrebs zu erkranken, liegt bei sechs Prozent. Doch das ist nur ein Durchschnittswert: Wenn in der direkten Verwandtschaft bereits Darmkrebsfälle aufgetreten sind, liegt das individuelle Risiko deutlich höher. Bei rund 30 Prozent aller diagnostizierten Darmkrebsfälle gab es bereits nahe Angehörige, die ebenfalls Darmkrebs hatten!**

Die schriftliche Einladung zur Darmkrebsvorsorge soll Anspruchsberechtigte motivieren, das Angebot zur Risikominimierung bei der dritthäufigsten Krebstodesursache auch tatsächlich anzunehmen. "Die Idee ist gut", sagt Dr. Dagmar Mainz, "aber die Durchführung lässt unglücklicherweise sehr zu wünschen übrig."

Bewegung ist eine der wichtigsten Zutaten für Gesundheitsvorsorge jeglicher Art. Sie ist besonders wirksam, wenn sie auf den Weg zu einer Vorsorge-Darmspiegelung führt. Weil Darmkrebs so verhindert werden kann, stellen sich die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte hinter das Motto von Stiftung Lebensblicke und Gastro-Liga zum Darmkrebsmonat: "Bewegung Sie sich: Gehen sie zur Darmkrebsvorsorge".

"Politischer Aktivismus zulasten von Leistungserbringern ist heutzutage sehr en vogue", konstatiert Dr. Albert Beyer vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng). "Forderungen sind schnell ins Gesetz geschrieben, die Finanzierung bleibt dabei oft auf der Strecke. Das gilt auch und insbesondere für Hygiene-Maßnahmen in der Arztpraxis, und das nicht nur in Corona-Zeiten."

Aus der aktuellen Analyse der Sterbestatistik des Robert Koch-Instituts geht hervor, dass Patienten, die 2017 an Darmkrebs verstorben sind, im Durchschnitt 13,4 Lebensjahre verloren haben. Dabei ist Darmkrebs bei rechtzeitiger Diagnose in den meisten Fällen heilbar und kann durch eine Vorsorge-Darmspiegelung in sehr vielen Fällen verhindert werden!

Anlässlich der diesjährigen Darmkrebsmonats März warnt Dr. Dagmar Mainz: "Krebs ist keine ausschließliche Angelegenheit für ältere Menschen. Immer wieder erkranken auch Jüngere, die überhaupt nicht damit rechnen. Das gilt auch und insbesondere für den Darmkrebs. Anhaltende Darmbeschwerden sollten immer beim Hausarzt vorgestellt werden. Im Zweifel kann der Hausarzt dann eine Darmspiegelung beim niedergelassenen Magen-Darm-Arzt veranlassen."

Die Darmspiegelung ist wie eine Lotterie mit 50-prozentiger Gewinnchance: Wissenschaftler vom DKFZ in Heidelberg haben auf der Grundlage einer Analyse der Daten aus dem Deutschen Screening-Register ermittelt, dass allein durch eine einzige Untersuchung im Rahmen des gesetzlichen Screening-Programms mehr als die Hälfte aller Erkrankten ihren Darmkrebs überlebt. Sie empfehlen Frauen und Männern mindestens eine Darmspiegelung im Alter von 56 bzw. 54 Jahren.

"Fast alle untersuchten gesetzlich Versicherten mit Anspruch auf eine Vorsorge-Koloskopie konnten 2018 beruhigt nach Hause gehen", fasst Dr. Dagmar Mainz die aktuellen Zahlen zur Darmkrebsvorsorge zusammen. "Bei zirka der Hälfte aller Teilnehmer konnte ein unauffälliger Befund erhoben werden. Bei der anderen Hälfte fanden sich in fast allen Fällen Polypen oder gutartige Geschwulste, die im Zuge der Untersuchung entfernt wurden, um Darmkrebs zu verhindern. Bei 0,8 Prozent der Untersuchten wurde Darmkrebs entdeckt, so dass eine kurative Therapie mit guter Aussicht auf Heilung eingeleitet werden konnte, da der Tumor bei 9 von 10 Betroffenen rechtzeitig gefunden wurde."

Die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte haben sich der Initiative "Nationale Dekade gegen Krebs" angeschlossen. "Als primäre Ansprechpartner in der Darmkrebs-Vorsorge wollen wir mit unseren Erfahrungen aus der Praxis einen Beitrag dazu leisten, dass künftig möglichst viele Krebsneuerkrankungen verhindert werden und Betroffene ein besseres Leben führen können", erklärt der Berufsverbandsvorsitzende Dr. Albert Beyer.