Therapie-Empfehlungen für den Praxisalltag

Magen-Darm-Ärzte haben auch seltenere Lebererkrankungen im Blick

Die klinische Forschung schreitet rasch voran, doch es kann dauern, bis die Menschen von neuen medizinischen Erkenntnissen profitieren. Das liegt zum Teil daran, dass es Zeit braucht, bis wissenschaftliche Einsichten in den Praxisalltag umgesetzt werden können. Der Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng) sieht eine seiner Aufgaben darin, einen schnellen Wissenstransfer in die Praxen zu ermöglichen.

Ein Mittel dies zu erreichen, sind Empfehlungen für Diagnostik und Therapie, in denen theoretische Konsequenzen aus aktuellen Studien so in praktische Handlungsanweisungen übersetzt werden, dass sie dem Magen-Darm-Arzt als Leitfaden und Unterstützung für seine Therapieentscheidungen dienen können. Solche Empfehlungen werden in den Fachgruppen des Berufsverbandes vor allem für chronische Krankheiten erarbeitet.

Viele Leber- und Darmerkrankungen sind nicht heilbar, die betroffenen Patienten leiden ihr Leben lang darunter und benötigen eine fortwährende Therapie, die es ihnen erlaubt, ihren Alltag mit einer akzeptablen Lebensqualität zu bewältigen. Beispiele sind die autoimmune Leberentzündung (Autoimmunhepatitis) sowie die chronischen Entzündungen der kleinen Gallengänge in der Leber (Cholangitis). Aktuell hat die Fachgruppe Hepatologie anlässlich des Jahreskongresses der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte in München bng-Therapie-Empfehlungen zum Management dieser Erkrankungen herausgegeben.

"Solche autoimmunen und cholestatischen Lebererkrankungen sind zwar nicht sehr häufig", erklärt bng-Leberexperte Prof. Dr. Wolf Peter Hofmann. "Nichtsdestotrotz bergen sie unbehandelt das Risiko einer schwerwiegenden Leberschädigung, die bis zum Funktionsausfall des Organs führt. Unsere Therapie-Empfehlung ermöglicht es dem niedergelassenen Kollegen, auch für solche selteneren Erkrankungen eine optimale Versorgung anbieten zu können."

Hofmann kündigte an, dass die Fachgruppe darüber hinaus demnächst einen Algorithmus bereitstellen wird, der hilft, den Therapie- und Krankheitsverlauf einzuschätzen. Außerdem ist ein Register geplant, um die tatsächliche Versorgungssituation der betroffenen Patienten zu erfassen. Nur auf der Grundlage solcher Daten ist es möglich, ihnen das Leben mit ihrer Erkrankung weiter zu erleichtern.

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