Sicherheit erfordert Sorgfalt

Darminspektion braucht Augenmaß

"Eine Darmspiegelung geht nicht im Ruck-Zuck-Verfahren", warnt Dr. Albert Beyer vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng). "Wenn Zeitdruck bestimmender Faktor der Untersuchung wird, sind Qualitätsabstriche unvermeidbar. Für eine endoskopische Methode, die Darmkrebs verhindern soll, ist das unverantwortbar!"

Zum 1. April 2020 ist eine neue Bewertung der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen erfolgt. Im Zuge dieser "Honorarreform" ist die Darmspiegelung unter Verweis auf völlig abstruse Zeitvorgaben abgewertet worden. "Bei der Darmkrebsvorsorge geht es darum, die Darmoberfläche sorgfältig zu scannen, um mögliche Tumorvorstufen oder Karzinome im Frühstadium rechtzeitig erkennen und entfernen zu können", erklärt Dr. Beyer. "Das ist nachweislich die beste Methode, um Krebs zu verhindern. Wenn dabei nicht gründlich vorgegangen wird, besteht die Gefahr, dass riskante Veränderungen der Darmschleimhaut übersehen werden."

Magen-Darm-Ärzte richten sich nach ganz eindeutigen, von den medizinischen Fachgesellschaften vorgegebenen Kriterien für die qualitativ hochwertige Darmuntersuchung. Sie setzen hochwertige Apparaturen mit hochauflösender Videooptik ein. Die Vorgehensweise bei der Darminspektion ist zudem standardisiert, um größtmögliche Detektionsraten zu erreichen. "Restriktive Zeitvorgaben sind da völlig unsachgemäß und kontraproduktiv", so Dr. Beyer. "Die Corona-Krise hat gezeigt, dass eine weitere Kommerzialisierung und betriebswirtschaftliche Optimierung unseres Gesundheitswesens mit umfangreichen negativen Folgen verbunden ist."

Egal ob Vorsorge oder Beschwerden Anlass für eine Darmspiegelung sind - einen Patienten kann man nicht wie eine Maschine im Ruck-Zuck-Verfahren durchchecken. Die Untersuchung ist aufwändig und bedarf Überwindung. Der Patient benötigt Ansprache und hat Anspruch auf Information.

"Fließbandmentalität ist im Umgang mit Patienten unangebracht", betont Dr. Beyer. "Wir Magen-Darm-Ärzte haben den Anspruch, vorsorgewillige und kranke Menschen mit ihren Sorgen ernst zu nehmen und sie angemessen zu behandeln. Medizinische Versorgung darf sich nicht auf apparative Technik reduzieren lassen. Eine Zeitvorgabe von 18 Minuten für die komplette Untersuchung, die Einleitung und Ausleitung der Sedierung und die Betreuung des Patienten im Untersuchungsraum ist abstrus und entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Evidenz. Durch akkurate, methodisch einwandfreie und umfangreiche Zeitmessungen im stationären Bereich ist widerlegt, dass sich solche Zeiten unter Aufrechterhaltung der Qualität überhaupt einhalten lassen."

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