Reizdarmpatienten falsch behandelt?

Schlecht diagnostiziert und oft falsch behandelt: Die Barmer hat in ihrem diesjährigen Arztreport schwere Geschütze gegen die Ärzteschaft aufgefahren. Doch ein vielschichtiges Krankheitsbild mit chronischen Beschwerden kann nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sondern bedarf einer angemessenen Versorgung. Und die ist nun mal nicht umsonst zu haben, wie Dr. Ulrich Tappe auf dem Patientenportal der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte unter www.magen-darm-aerzte.de erläutert.

Das Reizdarmsyndrom hat kein einheitliches Krankheitsbild, weil unterschiedlichste Störungen im komplexen Verdauungsprozess daran beteiligt sein können. Deshalb ist es bei jedem Patienten anders ausgeprägt, in jedem Falle aber belastend und geeignet, die Lebensqualität erheblich zu beeinträchtigen. "Die Patienten leiden und benötigen Hilfe", betont Dr. Tappe. Medizinisch komme es darüber hinaus vor allen Dingen darauf an, festzustellen, ob die Beschwerden möglicherweise auch durch andere schwerwiegendere Erkrankungen hervorgerufen werden.

Es gibt zwar weder einen Blut- noch einen Stuhltest für die Diagnose Reizdarm. Aber Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik wie beispielsweise Nahrungsmittelunverträglichkeiten und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen können und müssen sehr wohl erkannt bzw. ausgeschlossen werden. "Die hierfür erforderlichen Untersuchungen sind unverzichtbar", erklärt Dr. Tappe.

"Es ist zwar nicht von der Hand zu weisen, dass die Erwartungshaltung des Patienten, die manchmal auch durch Versprechen der Versicherer bestärkt worden ist, sowie die rechtliche Problematik von Unterlassungen im Einzelfall einen gewissen Druck für überdimensionierte Diagnosemaßnahmen erzeugen kann. Dennoch ist es ausschließlich der Arzt, der die Angemessenheit einer Methode einschätzen und rechtfertigen kann." Reizdarmpatienten zu betreuen bedarf viel Einfühlungsvermögen und kostet Zeit. Zeit wird allerdings derzeit im ärztlichen Honorar nicht gewürdigt. Das führt dazu, dass Defizite in der Versorgung vorprogrammiert sind.

Zurück