Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Versorgungsrisiken in Zeiten der Pandemie

Chronisch kranke Menschen, die im Zuge von Krankheitsschüben geschwächt sind und immun-suppressiv behandelt werden müssen, bedürfen in Zeiten epidemischer Infektionswellen besonderer Aufmerksamkeit, wenn ihr Wohlergehen sichergestellt werden soll. Die in den Fachgesellschaften für Darmerkrankungen organisierten Mediziner in Deutschland sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Sie haben in einer interdisziplinären online-Konferenz unter Einbeziehung von niedergelassenen Magen-Darm-Ärzten sowie der Vertretungen des Praxispersonals und der Patienten über die besonderen Aspekte der Versorgung von Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) beraten. Das Ergebnis ist ein Konsensus-Papier, das die Situation der Betroffenen aufzeigt und Handlungsempfehlungen für alle Beteiligten formuliert.

In Zeiten einer neuartigen grassierenden Infektionserkrankung gibt es noch keine validen Daten, auf die man sich stützen könnte. Deshalb sind die Experten darauf angewiesen, ihre allgemeinen Erfahrungen im Umgang mit den Patienten und ihrer Erkrankung zusammenzutragen und die bestmöglichen Schlüsse daraus zu ziehen. Die positive Botschaft der Beratungen: CED-Patienten haben per se kein erhöhtes Infektionsrisiko für das SARS-CoV-2-Virus.

Anders sieht es allerdings aus, wenn die betroffenen Patienten eine immun-suppressive Therapie erhalten, unter Begleiterkrankungen leiden oder anderen besonderen Risiken ausgesetzt sind. Dann empfehlen die Experten große Vorsicht und sorgfältige persönliche Schutzmaßnahmen. Dazu gehört unter Umständen auch eine Veränderung der Lebensumstände, etwa den Verzicht auf einen Job mit intensivem Kundenkontakt.

Besuche beim Arzt sollten in dieser Zeit auf das Notwendige beschränkt werden. "Für endoskopische Untersuchungen werden spezielle Hygiene-Maßnahmen gefordert, wie sie in den Praxen der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte bereits kurz nach Ausbruch der Pandemie eingeführt worden sind", sagt Dr. Dagmar Mainz, die Verbandssprecherin der Magen-Darm-Ärzte in Deutschland. "Wichtig ist auch, dass es für die allermeisten Medikamente keine Hinweise darauf gibt, dass Patienten unter immun-suppressiver Therapie ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Covid-19-Infektion hätten. Von Ausnahmefällen abgesehen, kann die Immun-Therapie bei milden bis mittleren Krankheitsverläufen in der Regel fortgeführt werden."

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