Meist zu spät erkannt

Leberkrebs wird unterschätzt

"Etwa einer von 80 Männern und eine von 190 Frauen entwickeln in Deutschland im Laufe ihres Lebens einen bösartigen Lebertumor. Aufgrund der schlechten Prognose gehört die Erkrankung zu den zehn häufigsten Krebstodesursachen", sagt Prof. Dr. Wolf Peter Hofmann vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. "Rund 70 Prozent der Fälle werden erst in fortgeschrittenem Stadium entdeckt."

Nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten beim Robert Koch-Institut erkrankten 2014 mehr als 9000 Deutsche an Leberkrebs. Im selben Jahr sind mehr als 7500 daran verstorben. Nur gut zehn Prozent der behandelten Patienten überlebten die nächsten fünf Jahre.

"Ein Leberzellkarzinom entwickelt sich vor allem bei Menschen mit einer chronisch fortgeschrittenen Leberschädigung", erklärt Prof. Hofmann. "Einerseits haben wir das Glück, dass unsere stark beanspruchte Leber Schädigungen gut kompensieren kann. Andererseits liegt genau darin das Problem: Die Betroffenen bemerken lange Zeit überhaupt nicht, dass sie ein steigendes Risiko für eine Krebserkrankung in sich tragen."

Ursachen der Leberschädigung sind Leberentzündungen, die zu krankhaften Gewebe-verhärtungen und schließlich zur Leberzirrhose führen. Sie werden vor allem durch virale Infektionen, übermäßigen Alkoholkonsum und die Verfettung der Leber im Zusammenhang mit Übergewicht hervorgerufen.

"Der bedenkliche Anstieg der Patientenzahlen mit nicht-alkoholischer Fettleber wird sich auf die Erkrankungszahlen bei Leberkrebs auswirken"; warnt Prof. Hofmann. "Es ist an der Zeit, dass die Gesellschaft darauf reagiert und Vorsorge-Maßnahmen wie dem Leber-Check und sonographischen Untersuchungen einen höheren Stellenwert beimisst."

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