Massiv unterfinanziert

Können bald keine Magenspiegelungen mehr gemacht werden?

Vor mehr als zehn Jahren ist die optimale Durchführung der Sedierung im Rahmen von Magenspiegelungen durch eine medizinische Leitlinie festgelegt worden, Hygienestandards wurden weiterentwickelt. Ziel war vor allem, dem Patienten durch vorgegebene Standards eine wenig belastende und sichere Form der ambulanten Untersuchung zur Verfügung zu stellen. „Die Magen-Darm-Ärzte haben diese Vorgaben der medizinischen Fachgesellschaft in den Praxen vollumfänglich umgesetzt“, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbands, Dr. Albert Beyer. „Die Kosten für den gestiegenen Aufwand sind aber nie angepasst worden und laufen seit langem aus dem Ruder.“

Bei endoskopischen Untersuchungen hat sich in den Praxen der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte die Sedierung mit Propofol als bevorzugte Methode durchgesetzt, um Patienten und Patientinnen vorübergehend in Schlaf zu versetzen. Derzeit werden über 90 Prozent der Endoskopien unter Sedierung und mit anschließender Überwachung durchgeführt. Um dies zu ermöglichen, muss das nicht-ärztliche Personal fachlich qualifiziert sowie regelmäßig weitergebildet werden. Während der Untersuchung und in der Aufwachphase wird zusätzlich eine zweite Assistenz benötigt, die sich entsprechend der Forderung der Leitlinie ausschließlich um den sedierten Patienten kümmert.

"Die Gebührenabrechnung der Ärzte ist hoffnungslos veraltet und entgegen den Vorgaben unter anderem im Bereich der Magenspiegelungen nie überprüft und angepasst worden", erläutert Dr. Beyer. "Insbesondere wurde den damaligen Verhältnissen entsprechend nur eine Assistenz bei der Kostenberechnung zugrunde gelegt. Das spiegelt aber nachgewiesenermaßen schon lange nicht mehr den tatsächlich benötigten Personalaufwand wider. Deutlich gestiegene Anforderungen im Bereich der Hygiene und Aufbereitung wurden ebenfalls nicht eingepreist. Eine Anpassung ist dringend erforderlich. Die tatsächliche Entwicklung lässt die aktuelle Bewertung der Leistung so unangemessen erscheinen, dass ein Festhalten hieran sachlich nicht mehr gerechtfertigt werden kann. Ein weiteres "Preisdumping" von Seiten der Kostenträger wird unweigerlich zu einer zunehmenden Verknappung dieses Leistungsangebots führen."

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