Magen-Darm-Ärzte in der Pflicht

Ein Lockdown ist keine Option für die Darmkrebsvorsorge!

Jeden Tag erkranken in Deutschland etwa 180 Menschen neu an Darmkrebs. Selbst unter besten Versorgungsbedingungen wird ein Drittel dieser Patienten an ihrem Tumorleiden versterben. "Wir müssen aufpassen, dass ein Lockdown keine fatale Konsequenzen hat", warnt Dr. Albert Beyer vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. "Ein Nachlassen oder gar Aussetzen von Vorsorge-Untersuchungen würde die Sterblichkeit an Darmkrebs selbst bei zeitlicher Begrenzung deutlich ansteigen lassen."

Dr. Beyer stützt sich auf eine aktuelle Untersuchung, die in der renommierten Fachzeitschrift Lancet publiziert worden ist. Darin wird der Einfluss einer zeitlich begrenzten Unterbrechung von Vorsorge-Maßnahmen auf die Sterblichkeit bei häufigen Krebserkrankungen auf der Basis von Registerdaten aus England abgeschätzt. Für Darmkrebs würde demnach ein vierwöchiger Komplettausfall der Vorsorge in den kommenden fünf Jahren eine um 16 Prozent erhöhte Sterblichkeit nach sich ziehen.

"Im ersten Lockdown im April 2020 gab es im Vergleich zum Vorjahr 34 Prozent weniger Darmkrebs-Operationen", erinnert Dr. Beyer. "Viele deutsche Kliniken mussten ihre endoskopischen Abteilungen schließen. Die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte haben die Versorgung trotz schlechter Rahmenbedingungen wie fehlender Schutzausrüstung etc. aufrechterhalten und stationäre Einrichtungen in relevantem Umfang entlastet. Verschobene Untersuchungen konnten in den meisten Fällen kurzfristig nachgeholt werden, so dass wir glücklicherweise kein so fatales Szenario zu befürchten haben, wie es für England prognostiziert wird."

Das war nur möglich, weil die Magen-Darm-Ärzte sehr schnell auf das Corona-Infektionsrisiko reagiert haben und nationale und internationale Empfehlungen schnell und konsequent in effiziente Schutzmaßnahmen für ihre Praxen umgesetzt haben. "Wir haben daraus gelernt", betont Dr. Beyer. "In Deutschland ist die Darmkrebs-Sterblichkeit in den Jahren 2003 bis 2012 um mehr als 20 Prozent zurückgegangen. Ein Verzicht auf Vorsorge kann auch im Lockdown keine Option sein, einen Wiederanstieg der Mortalität in Kauf zu nehmen und dadurch alle unsere Bemühungen zunichte zu machen."

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