Digitalisierung in der Praxis

Ein mühsamer Schritt voran

Die Corona-Pandemie hat der Digitalisierung in den Praxen Vorschub geleistet. Videosprechstunde und elektronischer Terminkalender haben den Praxisalltag erreicht. "Das entlastet das Personal und reduziert die Patientendichte. Die Arbeitsbelastung wird damit allerdings nicht geringer", konstatiert Dr. Ulrich Tappe vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng).

Corona hat die Implementierung der digitalen Kommunikation zwischen Arzt und Patient beschleunigt. Für den Patienten ist es viel einfacher geworden, Nachfragen zu stellen, Termine zu vereinbaren, zu verschieben oder gar abzusagen. Doch ist das nur der erste Schritt auf dem mühsamen Weg in das volldigitalisierte Gesundheitswesen. "Die Pläne sind viel höher gesteckt", sagt Dr. Tappe. "In unseren Praxen finden sie zurzeit ihren Ausdruck in den Bemühungen zur Etablierung der Telematikinfrastruktur (TI), die viele Vorteile verspricht, im Augenblick aber vor allem Belastungen bringt."

Die TI soll alle Beteiligten im Gesundheitswesen digital miteinander vernetzen. Medizinische Informationen für die Behandlung von Patienten sollen überall und jederzeit verfügbar sein. Alle Arztpraxen sind gesetzlich verpflichtet, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um die Verwendung der seit Jahren angekündigten elektronische Patientenakte in 2021 endlich zu ermöglichen. "Die halbjährige Übergangszeit für die vorgeschriebene Einführung der Technik ist zum Jahreswechsel abgelaufen. Sie hat sich ausgesprochen unerfreulich gestaltet", berichtet Dr. Tappe.

Immer wieder gab und gibt es gravierende technische Probleme, die auf Kosten der niedergelassenen Ärzte ausgetragen werden. Dazu kommen schwer übersehbare Risiken beim Datenschutz, die die Ärzte ebenfalls zu verantworten haben. "Wir fühlen uns oft im Stich gelassen", sagt der Magen-Darm-Arzt. "Es steht außer Frage, dass wir für die neuen Techniken offen sind und sie etablieren werden. Aber wir würden uns schon wünschen, dass die Politik nicht nur Vorgaben macht und uns bei der Umsetzung und Finanzierung im Regen stehen lässt, sondern uns den Rücken stärkt."

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