Darmkrebs in einer Doppelkrise

Krebstherapie darf nicht unterbrochen werden

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben unbeabsichtigte Nebeneffekte. Vor allem kranke Menschen, die einer regelmäßigen Behandlung bedürfen, sind oft extrem verunsichert. Dabei ist das Risiko einer Therapie-Pause oder gar eines Therapie-Abbruchs zum Beispiel bei Krebspatienten in der Regel viel größer als die Gefahr einer Ansteckung mit dem Corona-Virus.

"Die Krebstherapie soll auf jeden Fall fortgeführt werden, darf nicht unterbrochen werden. Wir würden den Patienten eher gefährden, wenn wir eine laufende Therapie unterbrechen", hat denn auch Prof. Dr. Birgit Kallinowski im Rahmen einer online-Talk-Runde betont, die der Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte kürzlich im Internet veranstaltet hat.

Gerade das Beispiel Darmkrebs verdeutlicht, wie lebensnotwendig die Fortführung der Therapie sein kann. Der ebenfalls onkologisch tätige Verbandsvorsitzende Dr. Albert Beyer verwies im Gespräch mit dem ehemaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr auf die Tatsache, dass in Deutschland jedes Jahr achtmal mehr Menschen an Darmkrebs sterben als im Straßenverkehr. Ex-Minister Bahr, der selbst gerade eine Krebserkrankung überstanden hat, warnte davor, die Corona-Situation als Vorwand zu nehmen, um leichtfertig auf den Besuch beim Arzt zu verzichten.

Dr. Beyer kommentierte dies mit dem Hinweis: "Ein Patient mit einem unkontrollierten Tumorleiden hat nach aktuellen Untersuchungen von den amerikanischen Gastroenterologen eine fünffach höhere Wahrscheinlichkeit im Falle einer Covid-19-Infektion zu versterben als jemand, der eine kontrollierte Tumorerkrankung hat." Es gebe keine hinreichenden Daten für die Behauptung, dass eine Chemotherapie einen Risikofaktor für einen schweren Verlauf einer Covid-Erkrankung sei.

Die Magen-Darm-Ärzte haben sehr schnell auf die aufkommende Krise reagiert und ihre ohnehin schon sehr hohen Hygiene- und Sicherheitsstandards zur Vermeidung von Infektionen über speziell angepasste Praxis-Empfehlungen weiter hochgeschraubt. Prof. Kallinowski stellte in diesem Zusammenhang allerdings auch klar, dass die Praxen den dafür erforderlichen Zusatzaufwand an Personal, Arbeitszeit und Schutzausrüstung auf eigene Kosten stemmen müssen.

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