Aufwertung der Sprechenden Medizin

Das Possenspiel der Umverteilungspolitik

Durch die Honorar-Reform der niedergelassenen Vertragsärzte soll die "sprechende Medizin" kostenneutral aufgewertet werden. Das bedeutet eine großangelegte Umverteilung in der Vergütungsstruktur zu Gunsten von betreuungsintensiven Leistungen. Was aus einer richtigen Idee geworden ist, kann nur als absurd bezeichnet werden: Die qualifizierte Betreuung und Beratung von schwer akut und chronisch erkrankten Patienten wird zusammengestrichen und vom fach- in den hausärztlichen Sektor abgeschoben.

Niedergelassene Magen-Darm-Ärzte kümmern sich um Patienten mit chronisch entzündlichen Darm- und Lebererkrankungen, die im Krankheitsverlauf gravierende Beschwerden, Einschränkungen der Lebensqualität und erhebliche Probleme im sozialen Umfeld bewältigen müssen. Sie benötigen oft teure und potentiell nebenwirkungsträchtige Therapien. Spezielles Fachwissen ist nicht nur bei Auswahl und Anwendung der Therapien gefordert, sondern auch in der Begleitung und Unterstützung der Patientinnen und Patienten.

Seit Jahren wird den niedergelassenen Magen-Darm-Ärzten eine Honorierung der erforderlichen Betreuungs- und Beratungsleistungen für die Behandlung von Patienten mit schweren chronischen Krankheiten verweigert. Im Zuge der anstehenden Honorar-Reform werden nun auch noch die einzigen abrechnungsfähigen "Grundpauschalen" für die "sprechende" Medizin abgewertet. Das kann aus Sicht der Magen-Darm-Ärzte nur so verstanden werden, dass sie nach Ansicht der für die Reform zuständigen Verhandlungspartner ab April 2020 keine Beratungsleistungen mehr erbringen sollen. Die unvermeidliche Konsequenz wird sein, dass die erforderlichen Gespräche nach der Sicherung der Diagnose nicht mehr vom Fachinternisten, sondern von den überweisenden Hausärzten und "grundversorgenden" Fachärzten geführt werden müssen.

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