Aufbruch in die Welt der Erwachsenen

Chronisch erkrankte Jugendliche benötigen Umstiegshilfen

Mit dem ihrem 18. Geburtstag entfällt für chronisch erkrankte Jugendliche die Betreuung durch Kinder- und Jugendärzte. Sie müssen einen Wechsel in die Erwachsenenmedizin vollziehen, der oft schwer fällt, weil ein koordinierter Übergang bisher nur regional etabliert ist.

"Es gibt ein großes Spektrum typischer Krankheitsbilder, die chronische Verdauungsbeschwerden bei Kindern und Jugendlichen hervorrufen", sagt der Kindergastroenterologe Dr. Ralph Melchior vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng). "Das sind neben den funktionellen Beschwerden angeborene Fehlbildungen und Störungen, Motilitätsstörungen, chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED), Zöliakie, Malabsorptions- und Kurzdarmsyndrome, cystische Fibrose, Pankreatitis und Leberfunktionsstörungen."

Jedes Jahr erkranken in Deutschland allein zwischen 800 und 1.500 Kinder und Jugendliche neu an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung CED). Dabei wächst der Anteil der Kinder, die bereits vor dem fünften Lebensjahr erkranken. Grundsätzlich stehen mit den spezialisierten Versorgungsangeboten der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte flächendeckend Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung. Aber die sind in erster Linie auf Erwachsene ausgerichtet. Für Heranwachsende sind eigentlich besonders auf CED spezialisierten Kinderärzte zuständig.

"Wir niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte sind uns bewusst, dass es hier einen Versorgungsengpass gibt und dass insbesondere der Übergang vom betreuenden - auf CED-ausgerichteten - Kinderarzt in die spezialisierte
Versorgung der Erwachsenen oft nicht einfach ist", sagt der bng-CED-Spezialist und Vorsitzende des Kompetenznetzes Darmerkrankungen, Priv.-Doz. Dr. Bernd Bokemeyer, "die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte suchen deshalb den Schulterschluss mit den Kindergastroenterologen und sind bemüht, diese Problematik stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen. Letzten Endes haben wir alle gemeinsam ein hohes Interesse daran, dass auch den betroffenen jungen Patienten ein unbeschwertes Leben in unser Gesellschaft ohne krankheitsbedingte Einschränkungen ermöglicht werden kann."

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