20 Jahre Kapselendoskopie

Darminspektion ohne Coronarisiko

"Chronische Magen-Darm-Beschwerden müssen untersucht und behandelt werden. Das gilt umso mehr, wenn sie mit Blutverlusten und Blutarmut unklaren Ursprungs einher gehen", mahnt Dr. Horst Hohn vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng). "In solchen Fällen darf Corona kein Hinderungsgrund für den Arztbesuch sein!" Bleibt die Magen- und Darmspiegelung dann ohne Resultat, wird der Dünndarm mit der Videokapsel untersucht. Weder Patient noch Arzt haben bei dieser Untersuchung ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für Corona!

Bei diesem 2001 erstmals zugelassenen Verfahren schluckt der Patient eine pillenförmige Videokapsel, die auf natürlichem Weg den Verdauungstrakt durchläuft und diesen dabei filmt. Die Aufnahmen des Dünndarms werden gespeichert und nach Abschluss der Untersuchung ähnlich wie bei einem Langzeit-EKG vom Magen-Darm-Arzt analysiert. Die Methode eignet sich insbesondere zur Diagnosestellung bei unklarer Blutarmut und Zeichen der Darmblutung. In diesem Fall ist sie auch eine "Kassenleistung". Aber auch die Abklärung bei Verdacht auf Morbus Crohn, Tumoren, Polypen oder Zöliakie sind etablierte Indikationen. Allerdings muss hier erst die Kostenübernahme mit den Krankenkassen abgeklärt werden.

"Die Kapselendoskopie ist eine ambulant sehr gut durchführbare Leistung, die aber sehr viel Erfahrung des Untersuchers voraus setzt", betont Dr. Hohn. Der bng weist mit einer Qualitätskontrolle und der Vergabe des Zertifikates "Schwerpunktpraxis Kapselendoskopie im bng" die Experten für die Untersuchung aus. Diese Praxen werden in der Arztsuche auf dem Patientenportal www.magen-darm-aerzte.de aufgelistet.

Die Europäische Fachgesellschaft für Verdauungskrankheiten (ESGE) empfiehlt schon seit vielen Jahren, die Kapselendoskopie auch im Bereich des Dickdarms einzusetzen, wenn eine Darmspiegelung im Einzelfall nicht möglich ist oder ein erhöhtes Risiko für Blutungen und Darmverletzungen besteht bzw. Komplikationen bei der Anwendung von Beruhigungs- und Betäubungsmitteln auftreten könnten. "Auch dieses Verfahren können wir anbieten", erklärt Dr. Hohn. "Die Kostenübernahme für die Kapseluntersuchung des Dickdarms muss allerdings vorher geklärt werden, da sie leider immer noch nicht in den Leistungskatalog der Krankenkassen übernommen worden ist."

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