Virale Leberinfektionen
werden nach wie vor unterschätzt

"Viele Menschen sind sich über die Gefahren einer viralen Lebererkrankung nicht im Klaren. Sie wissen nicht, dass sie sich dem Risiko aussetzen, an einer Leberkomplikation zu versterben“, warnt Dr. Karl-Georg Simon, der Leberexperte vom Berufsverband der niedergelassenen Gastroenterologen (bng). Dabei kann eine einfache Überprüfung der Leberwerte im Rahmen eines Routinechecks beim Hausarzt schnell Klarheit verschaffen.

In Deutschland sind etwa eine Million Menschen von einer chronischen viralen Entzündung der Leber betroffen. Davon sind über 500.000 Menschen mit dem Hepatitis B-Virus und 300.000 bis 400.000 Menschen mit dem Hepatitis C-Virus chronisch infiziert. Rund 50 bis 60 Prozent der Hepatits C-Infizierten ahnen nicht einmal, dass sie infiziert sind. „Besonders erschreckend ist auch die Tatsache, dass Hepatologen, also Spezialisten für Lebererkrankungen, davon ausgehen, dass weniger als 20 Prozent der Patienten mit chronischer Hepatitis C bisher antiviral behandelt worden sind“, sagt der Magen-Darm-Arzt.

Die moderne Medizin bietet sehr effektive Therapien für die viralen Lebererkrankungen. Der Berufsverband zertifiziert seit 2003 Hepatologische Schwerpunktpraxen, die ihre besondere Erfahrung im Umgang und bei der Behandlung von Menschen mit Hepatitis-Infektionen nachgewiesen haben und ihren Kenntnisstand regelmäßig durch qualifizierte Fortbildung aktualisieren.

Ein zertifizierter Arzt behandelt pro Quartal zwischen 50 bis 300 Patienten mit chronischen Lebererkrankungen, darunter Fettleber/Fettleberentzündung, chronisch virale Leberentzündungen (Hepatitis B oder C), Autoimmunerkrankungen von Leber- und Gallengängen und Hämochromatose. Das Zertifikat gilt für zwei Jahre und kann dann verlängert werden. Eine zertifizierte Schwerpunktpraxis in Wohnortnähe finden Betroffene über die „Arzt-Suche“ auf der Startseite.