»Der Patient soll nicht aus eigener Tasche für eine sichere und hygienisch einwandfreie Diagnostik zahlen müssen!«

Im Zuge der Darmspiegelung benötigt der Magen-Darm-Arzt Zangen und Schlingen, um Gewebeproben entnehmen bzw. Polypen abtragen zu können. Diese Instrumente werden durch das Endoskop in den Magen-Darm-Trakt vorgeschoben und unterliegen strikten Hygiene-Anforderungen. Sie müssen entweder für den Mehrfacheinsatz gründlich gereinigt oder gleich als Einmalmaterialien eingesetzt werden. "Um die Kostenerstattung für dieses unverzichtbare Endoskopiezubehör wird seit geraumer Zeit ein grotesker Streit auf dem Rücken von Patienten und Ärzten ausgetragen“, sagt Dr. Markus Dreck, Hygiene-Experte des Berufsverbandes der niedergelassenen Gastroenterologen (bng).

MDÄ.de: Herr Dr. Dreck, viele gastroenterologische Praxen stellen aktuell wiederverwendbare Zangen zur Probeentnahme aus dem Magen-Darm-Trakt und Schlingen zur Polypentfernung im Rahmen der Darmspiegelung auf Einmalartikel um. Welchen Grund hat dies?

Dreck: Die Endoskopie-Einheiten werden regelmäßig von den zuständigen Landesbehörden überprüft. Diese haben zunehmend häufiger die Wiederaufbereitung des mehrfach verwendbaren Zusatzinstrumentariums untersagt. Die Landesbehörden begründen diesen Schritt mit der Tatsache, dass eine sichere Aufbereitung dieser Instrumente nur in speziellen dafür ausgerichteten Reinigungs- und Desinfektionsgeräten (RDG) erfolgen könne, die üblicherweise in den Fachpraxen nicht vorgehalten werden können. Darüber hinaus muss die Aufbereitung dieser Zusatzinstrumente nach einem definierten Protokoll erfolgen. Für die meisten dieser Instrumente gibt es aber überhaupt keine validierten, maschinellen Aufbereitungsprotokolle! Weiterhin muss der Erfolg der Reinigung und Desinfektion auch überprüfbar sein; auch hierzu existieren keine Protokolle, die wir in der Praxis anwenden können.

Insgesamt ist deshalb die Wiederaufbereitung der Zangen und Schlingen eigentlich gar nicht mehr zulässig bzw. nicht mehr praktikabel. Außerdem erhöht die Verwendung von Einmalartikeln die Sicherheit der Sterilität. Da wir für unsere Patienten die größtmögliche Sicherheit bieten möchten, ergibt sich daraus die Konsequenz des Wechsels auf Einmalmaterial.

MDÄ.de: Heißt das, dass auf dem Markt aktuell und in Zukunft kein wiederverwendbares Zusatzinstrumentarium für Spiegelungsuntersuchungen mehr angeboten wird?

Dreck: Die Firmen, die wiederverwendbares endoskopisches Zusatzinstrumentarium in der Vergangenheit angeboten haben, haben es in Deutschland vom Markt genommen - sei es aus den genannten Gründen, sei es aufgrund einer bereits geplanten Anpassung im Produktsortiment.

MDÄ.de: Dieser Schritt zu mehr Sicherheit für den Patienten wird doch für die Endoskopiker auch mit größeren Ausgaben verbunden sein - Fortschritt ist doch meistens teuer?

Dreck: Sie haben Recht! Es wird in Deutschland sogar noch zwischen ambulant und stationär unterschieden: Während in stationären Einrichtungen das Einmalmaterial durch die Kostenträger erstattet wird, bleibt der ambulant tätige Magen-Darm-Arzt aktuell auf seinen Kosten sitzen.

MDÄ.de: Wird also der Patient nun seine Zange oder Schlinge selbst bezahlen oder gar zur Untersuchung in die Praxis mitbringen müssen?

Dreck: Nun, zuerst sind wir an die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) herangetreten. Es hat sich dort eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich unter anderem mit der Erstattung dieser Sachkosten im Rahmen der gestiegenen Hygieneanforderungen beschäftigt. Dort wird aber nicht nur das Fach der gastroenterologischen Endoskopie beleuchtet, sondern die Thematik fächerübergreifend diskutiert. Mit Ergebnissen dieser Arbeit ist deshalb frühestens Ende 2019 zu rechnen.

Da sich aber für die niedergelassenen gastroenterologisch tätigen Ärzte das Problem ergibt, dass das benötigte Zusatzinstrumentarium auf dem deutschen Markt nicht mehr vertrieben wird, muss für unsere Gruppe frühzeitiger eine Lösung geschaffen werden. Hier hat sich die KBV bereit erklärt, vorab und separat kurzfristig Verhandlungen mit den Krankenkassen aufzunehmen.

MDÄ.de: Und: können Sie schon die Ergebnisse dieser Verhandlungen verraten?

Dreck: Zum aktuellen Zeitpunkt sind wir in konstruktiven Gesprächen mit den zuständigen Vertretern der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die die Erstattung mit den Krankenkassen aushandeln. Wir sind zuversichtlich, eine Lösung zu finden, die allen Beteiligten entgegenkommt: dem Endoskopiker, dem für seine hochqualifizierte und hygienisch unbedenkliche Arbeit eine kostendeckende Erstattung des Zusatzinstrumentariums zugestanden wird; und dem Patienten, der für seine sichere und dem aktuellen Stand der Technik wie Hygiene entsprechende Diagnostik nicht noch Geld aus der eigenen Tasche mitbringen muss. Letztlich liegt die Entscheidung aber bei den Krankenkassen!