Magen-Darm-Ärzte ziehen Bilanz

Der Kampf gegen den Darmkrebs darf nicht nachlassen

Nach 15 Jahren steht das Darmkrebs-Screening-Programm als anerkannte Erfolgsgeschichte da. "Wir haben mit der Vorsorge-Koloskopie Erstaunliches erreicht, mehr als in allen anderen Bereichen der Prävention", betonte bng-Vorstand Dr. Albert Beyer bei der Eröffnung der wissenschaftlichen Tagungung der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte am 11. Mai in Köln. Doch Erfolg ist kein Grund die Hände in den Schoß zu legen. Und so haben die Teilnehmer der Tagung den Anlass genutzt, um sich selbstkritisch zu hinterfragen: Was wurde erreicht und was könnte noch besser werden?

Dafür haben sie sich kompetente Diskussionspartner eingeladen. Unter den Gästen waren der langjährige unermüdliche Streiter für die Darmkrebsprävention und Vorsitzende der Stiftung Lebensblicke, Prof. Dr. Jürgen Riemann, der bekannte Heidelberger Epidemiologe Prof. Dr. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum, PD Dr. Christian Pox, der federführend an der aktuellen Überarbeitung der Diagnose- und Behandlungsleitlinie mitgearbeitet hat sowie die international renommierte Pathologin Prof. Dr. Andrea Tannapfel.

Die Experten ließen keinen Zweifel daran, dass das gesetzliche Vorsorge-Programm in den letzten 15 Jahren zu einem deutlichen Rückgang der Erkrankungsraten und der Sterblichkeit bei Darmkrebs geführt hat. Es ist ganz klar, dass diese Krebsart insbesondere mit der Darmspiegelung verhindert bzw. bei rechtzeitiger Entdeckung geheilt werden kann. Die Ausführungen von Prof. Brenner zeigten aber auch ganz klar, dass sehr viel mehr erreicht werden könnte, wenn die Bevölkerung das bestehende Präventionsangebot stärker in Anspruch nehmen würde. Die Empörung der Magen-Darm-Ärzte über die jahrelange Blockierung eines Einladungsverfahrens, das nach intensiver Überzeugungsarbeit von Ärzte- und Patientenvertretern politisch beschlossen und auf den Weg gebracht worden ist, war unüberhörbar. Für den medizinischen Sachverstand bleibt es völlig unverständlich, warum sich die Krankenkassen nicht konsequent zum Wohle ihrer Versicherten für diese einfache und nachgewiesenermaßen effiziente Maßnahme einsetzen.

Die Diskussion zeigte aber auch, dass eine Weiterentwicklung der Präventionsstrategien möglich und wünschenswert ist. Gesprochen wurde über die Auswertung geeigneter Qualitätsparameter, die den unzweifelbar hohen Standard der Darmspiegelung gut dokumentieren können. Sie werden durch die niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte im Rahmen der Untersuchung bereits regelmäßig dokumentiert. Ein großes Thema war darüber hinaus die Frage, wie künftig Bevölkerungsgruppen mit besonders hohem Darmkrebsrisiko gezielter angesprochen werden können. Im Blick haben die Magen-Darm-Ärzte dabei in erster Linie nach Angehörige von Darmkrebsbetroffenen, die ein zwei- bis vierfach erhöhtes Erkrankungsrisiko haben und auch vergleichsweise früher erkranken. "Wir dürfen uns auf den Erfolgen nicht ausruhen", sagt Dr. Beyer, "denn angesichts der Tatsache, dass Darmkrebs besiegbar ist, erkranken immer noch viel zu viele Menschen an diesem bösartigen Tumor."

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