Koalitionäre wollen Innovationsstau beseitigen

Ein dringlicher Schritt für die ambulante Gesundheitsversorgung

"Wir müssen heute an die Probleme von Morgen denken und uns rechtzeitig darauf einstellen", sagt Prof. Dr, Wolf Peter Hofmann, der Leberexperte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. "So bilden beispielsweise Patienten mit Fettleber schon jetzt die größte Gruppe der lebererkrankten Patienten in Deutschland. Das Gesundheitssystem ist schlecht gewappnet, um der zu erwartenden epidemischen Ausweitung dieser Erkrankung angemessen zu begegnen."


Die Fettlebererkrankung verläuft anfangs meist schleichend und unbemerkt, kann jedoch in fortgeschrittenen Stadien zu schweren Komplikationen führen. Der behandelnde Arzt ist daher auf geeignete Diagnoseverfahren angewiesen, die auf nicht invasive Weise in einem frühen Stadium eine schnelle und zuverlässige Erkennung dieses Leberleidens ermöglichen. Im Fall der Fettlebererkrankung empfiehlt sich aktuellen Erkenntnissen zufolge eine Kombination aus der Erhebung von Risikofaktoren und der Messung der Lebersteifigkeit im Ultraschall (Elastographie) beim Magen-Darm-Arzt, um frühzeitig gravierenden und dann meist nicht mehr heilbaren Organschäden vorbeugen zu können.

"Unser derzeitiges Problem besteht darin, dass moderne spezialisierte Ultraschall-Verfahren im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen immer noch nicht berücksichtigt werden", sagt der Vorsitzende des Berufsverbandes der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng), Dr. Albert Beyer. "Es dauert viel zu lange, bis medizinisch längst anerkannte, innovative Methoden Eingang in die ambulante Versorgung finden. Die fehlende Möglichkeit der Früherkennung dieser inzwischen epidemisch auftretenden Lebererkrankung ist ein eklatantes Beispiel für bürokratische Hemmnisse und Defizite des Systems. Wir können daher nur begrüßen, dass sich die koalitionswilligen Parteien in ihrem Entwurf für ein gemeinsames Regierungsprogramm darauf verständigt haben, diese bürokratischen Hemmnisse zu beseitigen und das Zulassungsverfahren zu beschleunigen."

Der hier bekundete politische Wille der Verfahrensbeschleunigung krankt allerdings nach wie vor an einem entscheidenden Konstruktionsfehler. Die Fachexperten der ambulanten Grundversorgung dieser Erkrankung - bei denen tagtäglich zahlreiche betroffene oder gefährdete Patienten Rat suchen - haben so gut wie keinen Einfluss. Dr. Beyer: "Guter Wille alleine hilft wenig, solange Krankenhausärzte und Krankenkassen unter sich und über die Köpfe der betroffenen Patienten über Leistungen für Patienten in den Praxen der niedergelassenen Fachärzte befinden."

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