Fünf Jahre Tatenlosigkeit

Behördenversagen in der Darmkrebsvorsorge

Fast fünf Jahre sind vergangen, seit der Gesetzgeber am 3. April 2013 mit dem Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz die Rahmenbedingungen für das organisierte Darmkrebs-Screening in Deutschland festgelegt hat. "Ein Kernelement darin ist ein Einladungsverfahren, mit dem Anspruchsberechtigte Versicherte auf die Möglichkeit der Darmkrebs-Vorsorge hingewiesen werden. Bis heute warten die Menschen in Deutschland vergeblich auf eine Umsetzung dieser gesetzlichen Vorgabe", sagt Dr. Albert Beyer vom Berufsverband der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte (bng). "Die Einführung des Einladungsverfahrens ist immer noch nicht in Sicht."

Mit der Umsetzung des Gesetzes ist der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragt worden. Die Frist, die der Gesetzgeber dem G-BA gesetzt hat, ist seit fast zwei Jahren abgelaufen. Die medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, deren originäre Aufgabe die inhaltliche Ausgestaltung des Screenings ist, sind von der Behörde noch nicht einmal um eine Stellungnahme gebeten worden. "Deshalb gehen Fachgesellschaften, Berufsverbände und Interessenvertreter der Patienten jetzt geschlossen in die Offensive und haben ein gemeinsames Konzept zur Umsetzung des organisierten Darmkrebs-Screenings durch den G-BA vorgelegt, in dem alle erforderlichen Maßnahmen detailliert aufgelistet sind", erklärt Dr. Beyer.

Das Ausbleiben von frühzeitigen Warnsignalen, macht den Darmkrebs zu einer tückischen Erkrankung. Typische Warnsymptome wie Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl treten in manchen Fällen erst mit erheblicher Verzögerung auf. Die Analyse von Krebsregisterdaten durch das Robert Koch-Institut hat längst bestätigt, dass Krebserkrankungen des Darms durch die Erkennung und die Behandlung von Vorstufen in größerem Umfang verhindert werden können. Der Bericht der RKI-Experten weist zudem darauf hin, dass die gesetzlich vorgesehenen Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung von den Anspruchsberechtigten unterschiedlich stark genutzt werden. Zwar kennen über 80 Prozent der Bevölkerung die Angebote. Doch im Schnitt nutzen sie nur 67 Prozent der Frauen ab 20 Jahren und 40 Prozent der Männer ab 35 Jahren regelmäßig.

"Der Erfolg im Kampf gegen den Darmkrebs hängt entscheidend davon ab, dass die Menschen die angebotenen Maßnahmen zur Verhinderung bzw. frühzeitigen Erkennung der bösartigen Tumorerkrankung annehmen", betont Dr. Beyer. "Fachgesellschaften, Berufsverbände und Interessenvertreter der Patienten wie die Felix Burda Stiftung und die Stiftung LebensBlicke hoffen sehr darauf, dass ihre gemeinsame Umsetzungsvorlage den G-BA dazu veranlasst, seiner Verantwortung endlich gerecht zu werden und das Einladungsverfahren zeitnah auf den Weg zu bringen."

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