Divertikel

Wenig bekannt, doch weit verbreitet

"Unser Darm ist ein stark in Anspruch genommenes Organ, das tagtäglich schwer arbeiten muss, um den Stuhl zu transportieren", sagt Dr. Dagmar Mainz, die Sprecherin der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte. "Dabei wird Druck auf die Darmwand ausgeübt. Mit zunehmendem Alter kommt eine Bindegewebsschwäche hinzu. Dann können Divertikel entstehen. Durch kleine Lücken in der Darmwand stülpt sich die Schleimhaut aus. Das ist für sich genommen harmlos und wird nicht bemerkt. Divertikel können sich aber entzünden, was zu Schmerzen, Fieber und Veränderungen des Stuhlgangs führen kann."

Je älter ein Mensch wird, desto wahrscheinlicher hat er demnach Dickdarmdivertikel. Bei den über Fünfzigjährigen sind ca. 30 % betroffen, bei den über Siebzigjährigen ca. 50-60%. "Bei etwa vier bis zehn Prozent der Betroffenen kommt es zur Divertikelentzündung", erklärt Dr. Mainz, "Diese äußert sich in der Regel durch Schmerzen im linken Unterbauch und erhöhte Temperatur."

Eine akute Divertikelentzündung kann behandelt werden. Nur wenn sie kompliziert verläuft, häufig wiederkehrt oder zu chronischen Veränderungen führt, kann ein operativer Eingriff nötig sein. Um das Ausmaß der Entzündung festzustellen, sind neben der körperlichen Untersuchung auch Laboruntersuchungen und ein bildgebendes Verfahren wie Sonographie oder Computertomographie erforderlich.

"In jedem Fall ist nach Genesung von einer akuten Divertikulitis eine Darmspiegelung anzuraten. Denn sowohl Beschwerden wie auch Befunde können denen einer Darmkrebserkrankung gleichen", erklärt Dr. Mainz. Bei der Darmspiegelung nach Divertikulitis finden sich vermehrt Polypen als Vorstufen für Dickdarmkrebs und zwei bis drei Mal so häufig Dickdarmkrebs. "Dies kann durch die intensivierte Diagnostik begründet sein, vielleicht begünstigt die Divertikelerkrankung bzw. die Entzündung aber auch selbst die Entstehung von Dickdarmkrebs."

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